Thema · 1550–1910
Starke Frauen der Epochen
Zehn Malerinnen, die sich ihren Platz erkämpft haben
Diese Tour folgt nicht einer Epoche, sondern einer Linie quer durch die Kunstgeschichte: Malerinnen, die ohne Akademie, ohne Aktmodell und oft ohne Nachruhm gearbeitet haben — und trotzdem Meisterwerke hinterließen.
Die Geschichte hinter der Reise
Jahrhundertelang bleiben Frauen von Akademien, Aktstudium und großen Kirchenaufträgen ausgeschlossen. Wer trotzdem malt, kommt meist aus einer Malerfamilie, arbeitet an Höfen oder findet eine Marktlücke.
Künstler
Sofonisba Anguissola · Artemisia Gentileschi · Judith Leyster · Rachel Ruysch · Angelika Kauffmann · Élisabeth Vigée-Lebrun · Rosa Bonheur · Berthe Morisot · Mary Cassatt · Paula Modersohn-Becker
Kämpfe & Spannungen
Ohne Aktstudium keine Historienmalerei — also gelten Porträt, Stillleben und Alltagsszene als „weibliche“ Gattungen. Signaturen werden übermalt, Werke männlichen Kollegen zugeschrieben, Erfolge als Ausnahme abgetan.
Entdeckungen
Gerade in den erlaubten Gattungen entstehen Neuerungen: unmittelbare Familienporträts, Stillleben von botanischer Präzision, Bilder weiblicher Arbeit und Kindheit, die vorher niemand ernst nahm.
Was bleibt
Viele dieser Namen verschwanden für Jahrhunderte aus den Museen und kehrten erst seit den 1970er-Jahren zurück. Ihre Werke zeigen: Nicht das Talent fehlte, sondern der Zugang.
- 1
Die Hofmalerin
Sofonisba Anguissola malt ihre Schwestern beim Schach — ein Familienbild statt einer Allegorie. Michelangelo korrigiert ihre Zeichnungen brieflich, Philipp II. holt sie nach Madrid.

Sofonisba Anguissola · 1555
Porträt der Schwestern der Künstlerin beim Schachspiel
- 2
Die Rächerin
Artemisia Gentileschi malt Judith nicht als zarte Heldin, sondern als Frau, die mit vollem Körpereinsatz zusticht. Sie ist die erste Frau, die in die Florentiner Kunstakademie aufgenommen wird.

Artemisia Gentileschi · 1613
Judith enthauptet Holofernes
- 3
Der eigene Blick im Wirtshaus
Judith Leyster zeigt eine Frau, die ein anzügliches Angebot schlicht ignoriert und weiternäht. Jahrhundertelang galten ihre Bilder als Werke von Frans Hals — bis man ihr Monogramm entdeckte.

Judith Leyster · 1631
Der Vorschlag
- 4
Botanik als Weltkunst
Rachel Ruysch kombiniert Blüten, die nie gleichzeitig blühen, zu perfekten Sträußen. Sie verdient mehr als die meisten Kollegen und malt bis ins hohe Alter.

Rachel Ruysch · 1688
Rosen
- 5
Die Gründerin
Angelika Kauffmann gehört 1768 zu den Gründungsmitgliedern der Royal Academy in London — und darf trotzdem nicht am Aktstudium teilnehmen.

Angelika Kauffmann · 1775
Sappho Inspired by Love
- 6
Die Malerin der Königin
Élisabeth Vigée-Lebrun inszeniert Marie-Antoinette als Mutter, um deren Ruf zu retten. Nach der Revolution rettet ihr Talent sie selbst: Sie arbeitet im Exil an Höfen von Neapel bis Sankt Petersburg.

Élisabeth Vigée-Lebrun · 1787
Marie Antoinette und ihre Kinder
- 7
Hose mit Genehmigung
Rosa Bonheur braucht eine polizeiliche Erlaubnis, um in Hosen auf Viehmärkten studieren zu dürfen. Ihr monumentaler Pferdemarkt macht sie zur berühmtesten Tiermalerin Europas.

Rosa Bonheur · 1853
Der Pferdemarkt
- 8
Im Kern der Avantgarde
Berthe Morisot stellt auf fast allen Impressionisten-Ausstellungen aus. Ihr Thema — eine Mutter, die ihr schlafendes Kind betrachtet — war damals als „zu privat“ verschrien.

Berthe Morisot · 1872
Wiege
- 9
Der Alltag als Monument
Mary Cassatt übernimmt die Flächigkeit japanischer Holzschnitte und macht das Waschen eines Kindes zu einer streng komponierten Szene.

Mary Cassatt · 1893
Das Bad des Kindes
- 10
Der eigene Körper
Paula Modersohn-Becker malt sich als erste Künstlerin überhaupt nackt und schwanger selbst. Sie stirbt mit 31 — und nimmt die Moderne um Jahre vorweg.

Paula Modersohn-Becker · 1906
Selbstbildnis am 6. Hochzeitstag
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